Alessandro Manzoni (1785–1873) ist der grösste italienische Romancier des 19. Jahrhunderts und der eigentliche Schöpfer des italienischen Romans (romanzo) als literarische Form. Sein Hauptwerk I Promessi Sposi (Die Verlobten) ist der erste moderne Nationalroman Italiens und gilt bis heute als Pflichtlektüre an italienischen Schulen.
Manzoni wurde in Mailand geboren, dem Spross einer adligen Familie. Seine Großmutter war Cesare Beccaria, der berühmte Aufklärer und Autor von Dei delitti e delle pene. Manzoni lebte in Paris, wo er die französische Literatur und Romantik kennenlernte, und kehrte später zu einer tiefen katholischen Überzeugung zurück. Er war überzeugter Patriot und unterstützte das Risorgimento, die Bewegung zur Einigung Italiens.
Sein Werk entstand in einer langen Schaffensphase: Die erste Fassung trug den Titel Fermo e Lucia (1821–1823), die zweite Fassung erschien 1827 als I Promessi Sposi. Die endgültige «sprachliche» Fassung (in fiorentino, dem Florentinischen Dialekt) folgte 1840–1842. Manzoni nannte diesen Prozess «risciacquare i panni in Arno» (die Wäsche im Arno auswaschen) – eine Metapher dafür, dass er seinen lombardischen Stil sprachlich an das Toskanische anpasste, das er als die einzig «richtige» literarische Sprache Italiens ansah.
Die Geschichte spielt im Mailand des 17. Jahrhunderts (1628–1630), als Lombardia unter spanischer Herrschaft stand. Die beiden Protagonisten sind Renzo Tramaglino, ein junger Seidenweber aus einem Dorf am Comer See, und Lucia Mondella, ein einfaches, fromm-katholisches Bauernmädchen. Sie lieben sich und wollen heiraten.
Doch der lokale Adlige Don Rodrigo hat ein Auge auf Lucia geworfen. Mit seinen bravi (bezahlten Schlägern) bedroht er den feigen Dorfpfarrer Don Abbondio, der die Hochzeit verweigert. Renzos Versuche, durch die Justiz Recht zu bekommen, schlagen fehl – das System ist korrupt und auf der Seite der Mächtigen.
Lucia flieht in ein Kloster in Monza, wo sie unter den Schutz der Monaca di Monza (die Nonne von Monza) gerät – eine fasziniert-zwiespältige Figur, die zwar selbst Opfer ihres Vaters wurde (er zwang sie ins Kloster), nun aber Lucia an den finsteren Innominato (den Unbenannten) verrät. Doch der Innominato, ein bedrohlicher Tyrann, erlebt eine plotzliche Bekehrung und lässt Lucia frei. Schließlich finden Renzo und Lucia nach vielen Prüfungen wieder zusammen und können heiraten.
Den Hintergrund bildet die historische Pest in Mailand 1630, die Manzoni minutiös nach historischen Quellen schildert. Tausende sterben, die Stadt versinkt im Chaos, sogenannte untori (vermeintliche Pestträger) werden gelyncht. Don Rodrigo selbst stirbt an der Pest, was als göttliche Strafe gedeutet wird.
• Renzo – der einfache Held: ehrlich, mutig, leicht aufbrausend; durchläuft eine moralische Reifung
• Lucia – das fromme Mädchen, deren Glaube unerschuttert bleibt: «La provvidenza non abbandona mai i suoi» (Die Vorsehung verlässt die Ihren nie)
• Don Abbondio – der feige Pfarrer, berühmt durch seinen Ausspruch «Il coraggio uno non se lo può dare» (Mut kann sich niemand selbst geben)
• Don Rodrigo – der bösartige Adlige, Symbol der korrupten Macht
• Padre Cristoforo – der gute Kapuzinermönch, Renzos und Lucias Helfer
• L'Innominato – der namenlose Tyrann, der sich bekehrt
• La Monaca di Monza – die zwiespältige Nonne, basierend auf einer historischen Figur (Marianna de Leyva)
I Promessi Sposi ist auf vielen Ebenen bedeutsam. Politisch ist der Roman ein verschlüsseltes Plädoyer für das Risorgimento: Die spanische Herrschaft des 17. Jahrhunderts steht symbolisch für die österreichische Herrschaft des 19. Jahrhunderts. Manzoni spricht vom «Volk» als Träger der Geschichte und verklärt die Demut der Schwachen.
Religiös ist es ein zutiefst katholischer Roman: Die Provvidenza (göttliche Vorsehung) lenkt am Ende alles zum Guten. Auch die bösen Figuren können sich bekehren (Innominato).
Sprachlich revolutionär ist Manzonis Wahl des fiorentino. Indem er einen Roman in dieser Sprache schrieb – nicht in Latein und nicht in Lombardisch – setzte er den Standard für die italienische Schriftsprache des modernen Italien. I Promessi Sposi wurde so zum sprachlichen Vorbild der gesamten Nation.
Der berühmte erste Satz lautet: «Quel ramo del lago di Como, che volge a mezzogiorno, tra due catene non interrotte di monti...» (Jener Arm des Comer Sees, der sich nach Süden wendet, zwischen zwei ununterbrochenen Bergketten...).
il romanzo – der Roman
il personaggio – die Figur
il protagonista – der Hauptdarsteller
la trama – die Handlung
il matrimonio – die Hochzeit
i fidanzati – die Verlobten
il parroco – der Pfarrer
la peste – die Pest
la provvidenza – die Vorsehung
il coraggio – der Mut
il convento – das Kloster
l'umile – der Demutige
il signore – der Herr (Adlige)
la conversione – die Bekehrung
Zusammenfassung:
• Alessandro Manzoni (1785–1873), aus Mailand
• I Promessi Sposi: 1. Fassung 1827, endgültige Fassung 1840–1842
• Sprachliche Überarbeitung im fiorentino: «risciacquare i panni in Arno»
• Spielt im Mailand 1628–1630, während der Pest 1630
• Hauptfiguren: Renzo, Lucia, Don Abbondio, Don Rodrigo, Innominato, Monaca di Monza
• Themen: Liebe, Macht, Religion, Vorsehung, Risorgimento
Abitur-Tipp: Bei einer Frage zu Manzoni musst du den Begriff «risciacquare i panni in Arno» nennen – er beweist, dass du das Sprachprogramm verstanden hast (Toskanisch als nationales Italienisch). Verwende ein Don-Abbondio-Zitat («Il coraggio uno non se lo può dare») für die psychologische Tiefe und verknüpfe den Roman immer mit dem Risorgimento.