Francesco Petrarca (20. Juli 1304 – 19. Juli 1374) gilt als der padre dell'umanesimo (Vater des Humanismus) und ist neben Dante und Boccaccio die dritte der tre corone fiorentine (drei florentinischen Kronen) der italienischen Literatur. Er wurde in Arezzo geboren, während seine Familie aus Florenz verbannt war. Später lebte er in Avignon (südfranzösische Stadt, in der damals die Päpste residierten), in Mailand, Padua und schließlich in Arquà bei Padua, wo er starb.
Petrarca war ein leidenschaftlicher Sammler antiker Manuskripte. Er entdeckte verlorene Briefe Ciceros wieder, die das gesamte spätere Verständnis des römischen Geistes prägten. Mit seiner Liebe zur Antike, seiner Verehrung Vergils und seinem aufklärenden Selbstbewusstsein wurde er zum Wegbereiter der Renaissance.
1341 wurde Petrarca in Rom auf dem Kapitol als poeta laureatus (lorbeerbekrönter Dichter) gekrönt – eine antike Ehre, die seit Jahrhunderten niemand mehr empfangen hatte. Für ihn war das ein Triumph des humanistischen Geistes über den mittelalterlichen Klerikalismus.
Am 6. April 1327, einem Karfreitag, sah Petrarca in der Kirche Santa Chiara in Avignon zum ersten Mal eine Frau namens Laura. Wer sie historisch war, ist bis heute umstritten – vermutlich Laura de Noves, eine verheiratete Adlige. Petrarca verliebte sich auf den ersten Blick. Diese Liebe blieb sein Leben lang einseitig, unerfüllt und idealisiert. Genau am Karfreitag 6. April 1348 – auf den Tag genau 21 Jahre später – starb Laura an der Pest. Auch nach ihrem Tod schrieb Petrarca weiterhin Gedichte an sie.
Laura ist nicht nur Geliebte, sondern auch Symbol: Ihr Name evoziert lauro (Lorbeer), das antike Dichterzeichen. Sie ist Inspiration und göttliche Führerin zur Tugend, ähnlich wie Beatrice für Dante – aber sehr viel weltlicher, sinnlicher, menschlicher.
Der Canzoniere (eigentlich Rerum Vulgarium Fragmenta) ist Petrarcas Hauptwerk. Er enthält 366 Gedichte – eines für jeden Tag des Jahres plus ein Eingangsgedicht – und ist in zwei Teile gegliedert: In vita di Madonna Laura (Zu Lebzeiten Lauras) und In morte di Madonna Laura (Nach dem Tod Lauras).
317 der 366 Texte sind Sonette, daneben finden sich Kanzonen, Sestinen, Madrigale und Ballaten. Petrarca perfektionierte das Sonett in der Form, die heute «Petrarca-Sonett» genannt wird: 14 Verse, aufgeteilt in zwei Quartette (8 Verse) und zwei Terzette (6 Verse), mit dem Reimschema ABBA ABBA CDC DCD (oder ähnlich).
Das Eingangs-Sonett (Voi ch'ascoltate in rime sparse il suono) ist programmatisch: Petrarca beginnt mit einer Selbstreflexion und einer Bitte um Vergebung für seine früheren Fehler. Eines der beliebtesten Sonette ist Erano i capei d'oro (Ihr Haar war Gold), in dem er Lauras Schönheit beschreibt: «Erano i capei d'oro a l'aura sparsi / che 'n mille dolci nodi gli avolgea» (Ihr goldenes Haar war im Wind verstreut, das in tausend süssen Knoten sich faltete). Beachte das Wortspiel l'aura (der Wind) – Laura!
Anders als Dante, dessen Commedia ein theologisch geschlossenes System bildet, ist Petrarcas Lyrik geprägt von einem permanenten inneren Konflikt. Der Dichter schwankt zwischen weltlicher Liebe und religiöser Pflicht, zwischen Sehnsucht nach Laura und Schuldgefühlen, zwischen Stolz und Demut. «Pace non trovo, et non ò da far guerra» (Frieden finde ich nicht, und Krieg habe ich nicht zu führen), heißt es in einem berühmten Sonett.
Sein lateinisches Werk Secretum (Mein Geheimnis, ca. 1347–1353) ist ein fiktiver Dialog zwischen Petrarca und dem Heiligen Augustin, in dem er seine Schwächen offenlegt. Damit ist Petrarca der erste Dichter, der so etwas wie eine moderne Innerlichkeit zur Sprache bringt – ein Vorläufer von Montaigne, Rousseau und der modernen Selbstbekenntnisliteratur.
Petrarca schrieb sowohl auf Latein (das er für «wertvoller» hielt) als auch auf Volgare. Doch ironischerweise machte ihn vor allem sein italienisches Werk unsterblich.
il sonetto – das Sonett
il poeta – der Dichter
il canzoniere – das Liederbuch
l'amore – die Liebe
l'amata – die Geliebte
il verso – der Vers
la rima – der Reim
la quartina – das Quartett
la terzina – das Terzett
l'umanesimo – der Humanismus
l'antichità – die Antike
l'alloro / il lauro – der Lorbeer
la peste – die Pest
il conflitto interiore – der innere Konflikt
Zusammenfassung:
• Francesco Petrarca (1304–1374), padre dell'umanesimo
• 1341 in Rom als poeta laureatus gekrönt
• Liebe zu Laura: 6.4.1327 (erstes Sehen) – 6.4.1348 (Tod, Pest)
• Canzoniere: 366 Gedichte, davon 317 Sonette
• Petrarca-Sonett: 14 Verse (2 Quartette + 2 Terzette)
• Secretum (lat.): innere Selbstreflexion
• Wegbereiter von Humanismus, Renaissance und moderner Lyrik
Abitur-Tipp: Für das Q-Thema «Letteratura italiana» ist die Form des Petrarca-Sonetts (14 Verse, 2+2) Pflicht. Erwähne die Daten 1327 und 1348 (Karfreitags-Symmetrie!) und das Wortspiel Laura/lauro/l'aura. Wenn du Petrarca als padre dell'umanesimo bezeichnest, beweist du dein historisches Verständnis der Renaissance.