Italien gehört zu den europäischen Ländern, die am stärksten vom cambiamento climatico betroffen sind. Das Mittelmeer erwärmt sich rund 20 % schneller als der globale Durchschnitt. „L'Italia è in prima linea contro il cambiamento climatico.“ („Italien steht an vorderster Front gegen den Klimawandel.“)
Die Folgen sind vielfältig: Dürren im Norden, Hochwasser in den Städten, Hitzewellen im Süden, Waldbrände, Gletscherschmelze in den Alpen. Die Wissenschaft warnt: Italien ist ein „hot spot“ des Klimawandels.
2022 erlebte Italien die schlimmste Dürre seit 70 Jahren. Der Po, mit 652 km der längste Fluss Italiens, führte im Sommer 2022 nur noch 8 % seiner normalen Wassermenge. An vielen Stellen konnte man trockenen Fußes das Flussbett überqueren. Im April wurde der Notstand ausgerufen.
Die Folgen waren dramatisch: Die Reisfelder im Piemont (40 % der europäischen Reisproduktion!) standen kurz vor dem Verlust, das Trinkwasser wurde rationiert. „Il Po sta morendo.“ („Der Po stirbt.“) Im Sommer 2022 wurde im Po ein Bombenfund aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt – weil das Flussbett trocken war.
Während der Norden austrocknet, leidet Venedig unter acqua alta (Hochwasser). Am 12. November 2019 erreichte das Wasser einen Pegel von 187 cm – der zweithöchste Wert seit 1872. 80 % der Stadt standen unter Wasser, der Markusdom wurde beschädigt.
Seit 2020 ist das Schutzsystem MOSE (Modulo Sperimentale Elettromeccanico) im Einsatz: 78 mobile Schleusen, die bei drohendem Hochwasser hochfahren. Doch Klimawandel und Meeresspiegelanstieg lassen die Situation langfristig kritisch.
Vokabeln:
il cambiamento climatico – der Klimawandel
il riscaldamento globale – die Erderwärmung
la siccità – die Dürre
l'alluvione – das Hochwasser
l'ondata di calore – die Hitzewelle
l'incendio – der (Wald-)Brand
il ghiacciaio – der Gletscher
l'agricoltura – die Landwirtschaft
la sostenibilità – die Nachhaltigkeit
l'ambiente – die Umwelt
la CO2 (anidride carbonica) – das CO2
Im Sommer 2023 wurde in Sardinien ein neuer Hitzerekord für Europa gemessen: 48,8 °C (Floridia, Sizilien, im August 2021). Das Hoch Cerbero (benannt nach dem Höllenhund der griechischen Mythologie) und Caronte brachten mehrere Wochen lang über 40 °C nach Süditalien.
Diese Hitze verursachte verheerende Waldbrände in Sizilien, Sardinien, Kalabrien. 2023 brannten in Italien über 100.000 Hektar Wald. Die Klimawandelforscher des CNR-ISAC warnen vor einer „Tropikalisierung“ des italienischen Klimas.
Im Mai 2023 traf eine verheerende Flut die Region Emilia-Romagna. In nur 36 Stunden fielen so viel Niederschläge wie sonst in einem halben Jahr. 23 Flüsse traten über die Ufer, 17 Menschen starben, 36.000 wurden evakuiert. Der Schaden wurde auf 8,5 Milliarden Euro geschätzt.
„Non è più una catastrofe naturale, è il nuovo normale.“ („Es ist keine Naturkatastrophe mehr, es ist die neue Normalität.“) sagten viele Klimaforscher.
Zusammenfassung:
• Mittelmeer: 20 % schnellere Erwärmung als globaler Durchschnitt
• Po-Dürre 2022: 8 % der normalen Wassermenge
• Acqua alta Venedig 2019: 187 cm, MOSE seit 2020
• Hitzerekord 48,8 °C in Floridia (Sizilien) 2021
• 100.000 ha Waldbrandfläche 2023
• Überschwemmung Emilia-Romagna Mai 2023, 17 Tote
Abitur-Tipp: Verbinde Klima mit Landwirtschaft (Po, Reis), Tourismus (Venedig) und globaler Klimapolitik. Lerne die Datenpunkte: Po 8 %, Venedig 187 cm, Sizilien 48,8 °C.