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L'Unità d'Italia – Il Risorgimento

Italien vor der Einigung

Vor 1861 war Italien kein Staat, sondern ein geographischer Begriff. „L'Italia è una espressione geografica.“ („Italien ist ein geographischer Ausdruck.“) – so Klemens von Metternich 1847 abfällig über die zersplitterte Halbinsel. Es gab acht Staaten: das Königreich Sardinien (Piemont), das österreichische Lombardo-Veneto, die Herzogtümer Modena, Parma, Toskana, den Kirchenstaat und das Regno delle Due Sicilie.

Das Risorgimento (wörtlich: „Wiedererstehung“) ist die patriotische Bewegung, die Italien zwischen 1815 und 1871 einigte. Sie begann nach dem Wiener Kongress (1815), als Napoleons Reich zerschlagen war und Italien wieder unter Fremdherrschaft (vor allem Österreichs) geriet.

Die drei Protagonisten

Drei Persönlichkeiten gelten als padri della patria (Väter des Vaterlands):

Giuseppe Mazzini (1805–1872), Republikaner und Idealist, gründete 1831 die Giovine Italia. „Pensiero e azione.“ („Denken und Handeln.“) Sein Traum: eine demokratische italienische Republik.

Camillo Cavour (1810–1861), Graf und Premierminister Sardinien-Piemonts, war der politische Architekt der Einigung. Er war Liberaler, Diplomat, Realist. Er gewann Napoleon III. als Verbündeten gegen Österreich (Plombières 1858). „Libera Chiesa in libero Stato.“ („Freie Kirche in freiem Staat.“)

Giuseppe Garibaldi (1807–1882), Volksheld und Guerillaführer, war der charismatische Soldat. Er kämpfte schon in Südamerika (Brasilien, Uruguay) für die Freiheit. Sein roter Hemd machte ihn weltberühmt. „Qui si fa l'Italia o si muore.“ („Hier machen wir Italien, oder wir sterben.“)

Der Zweite Unabhängigkeitskrieg 1859

1859 verbündete sich Cavour mit Frankreich gegen Österreich. In den Schlachten von Magenta und Solferino (Juni 1859) wurden die Österreicher besiegt. Solferino war so blutig, dass der Schweizer Henri Dunant aus den Erlebnissen heraus 1863 das Rote Kreuz gründete. Die Lombardei wurde an Sardinien-Piemont angeschlossen.

Im Norden und in Mittelitalien (Toskana, Modena, Parma) stimmten Volksabstimmungen für den Anschluss an Piemont. Italien war fast geeint – nur der Süden und Rom fehlten noch.

Die Spedizione dei Mille (1860)

Im Mai 1860 stach Garibaldi mit 1.089 Freiwilligen (den berühmten Mille, „Tausend“) von Quarto bei Genua in See. Die Schiffe hießen Piemonte und Lombardo. Sie landeten am 11. Mai in Marsala (Sizilien) und besiegten die bourbonische Armee in der Schlacht von Calatafimi.

Garibaldi marschierte durch ganz Sizilien und Kalabrien, überquerte die Straße von Messina und zog am 7. September 1860 triumphal in Neapel ein. Die bourbonische Herrschaft brach zusammen. Im Oktober traf Garibaldi bei Teano Vittorio Emanuele II. und übergab ihm die eroberten Gebiete: „Saluto il primo re d'Italia.“ („Ich grüße den ersten König Italiens.“)

Vokabeln:
il Risorgimento – das Risorgimento
l'unità – die Einheit
il regno – das Königreich
il re – der König
la patria – das Vaterland
l'indipendenza – die Unabhängigkeit
la guerra – der Krieg
la battaglia – die Schlacht
la spedizione – der Feldzug
i Mille – die Tausend (Garibaldis Freiwillige)
il volontario – der Freiwillige
la camicia rossa – das rote Hemd

Die Proklamation des Königreichs Italien 1861

Am 17. März 1861 proklamierte das erste italienische Parlament in Turin Vittorio Emanuele II. zum König Italiens. „Vittorio Emanuele II, per grazia di Dio e per volontà della Nazione, Re d'Italia.“ („Vittorio Emanuele II., durch Gottes Gnade und den Willen der Nation, König von Italien.“)

Es fehlten allerdings noch Venetien und Rom. Venetien kam 1866 nach dem Dritten Unabhängigkeitskrieg (Verbündnis mit Preußen) hinzu. Rom blieb unter dem Schutz französischer Truppen päpstlich.

Roma capitale – 1870

Am 20. September 1870 nutzten italienische Truppen den Abzug der französischen Garnison (wegen des Deutsch-Französischen Krieges) und marschierten durch die Porta Pia in Rom ein. Der Kirchenstaat war beendet. 1871 wurde Rom Hauptstadt Italiens. „Roma o morte!“ („Rom oder Tod!“) hatte Garibaldi gerufen – das Ziel war erreicht.

Papst Pius IX. zog sich in den Vatikan zurück und betrachtete sich als „Gefangener“ (il prigioniero del Vaticano). Erst 1929 mit den Patti Lateranensi zwischen Mussolini und Pius XI. wurde der Konflikt beigelegt: Der Vatikanstaat wurde gegründet.

Zusammenfassung:

• Vor 1861: Italien als „geographischer Begriff“ (Metternich), 8 Staaten
• Drei padri della patria: Mazzini (Idealist), Cavour (Diplomat), Garibaldi (Soldat)
• 1859: Sieg in Solferino über Österreich
• 1860: Spedizione dei Mille (1.089 Mann), Garibaldi erobert Süden
• 17. März 1861: Proklamation Vittorio Emanuele II. als König Italiens
• 1866: Venetien angeschlossen
• 20. September 1870: Porta Pia, Roma capitale

Abitur-Tipp: Lerne die Schlüsseldaten 17. März 1861 (Proklamation) und 20. September 1870 (Roma capitale) auswendig. Verbinde das Risorgimento mit der questione meridionale (Pflichtthema): Die Einigung wurde dem Süden aufgezwungen und führte zu langfristigen Problemen. Garibaldis Ausspruch „Qui si fa l'Italia o si muore“ ist ein klassisches Zitat.