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La dolce vita – Federico Fellini

Federico Fellini
Ein Film, der die Welt veränderte

La dolce vita ist ein italienischer Spielfilm von Federico Fellini aus dem Jahr 1960. Er gilt als einer der wichtigsten Filme der Weltkinogeschichte und gewann 1960 die Goldene Palme in Cannes sowie 1962 den Oscar für das beste Kostümdesign. „La dolce vita ha cambiato per sempre il modo di guardare il cinema.“ („La dolce vita hat die Art, Kino zu betrachten, für immer verändert.“)

Der Film dauert 174 Minuten und besteht aus sieben locker verbundenen Episoden, die sieben Tage und sieben Nächte im Leben des Klatschreporters Marcello Rubini beschreiben – eine Anspielung auf die Sieben Todes­sünden.

Marcello Mastroianni und Anita Ekberg

Die Hauptrolle spielt Marcello Mastroianni (1924–1996), der durch diesen Film zum internationalen Star wurde. Mastroianni verkörpert den eleganten, melancholischen, von der Leere des Jetset-Lebens geplagten Römer Boulevardreporter, der sich nach einem „authentischen“ Leben sehnt, aber immer wieder im Strudel der Partys, Frauen und Skandale untergeht.

Die schwedische Schauspielerin Anita Ekberg (1931–2015) spielt die amerikanische Filmdiva Sylvia. Die Szene, in der sie nachts im weissen Abendkleid in den Trevi-Brunnen steigt und Marcello dazu ruft „Marcello, come here. Hurry up!“, ist eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte.

Die Geburt der Paparazzi

Eine der wichtigsten Erfindungen des Films ist das Wort Paparazzi. Im Film heißt einer von Marcellos Reporterkollegen Paparazzo (gespielt von Walter Santesso) – ein aufdringlicher Fotograf, der mit dem Motorrad durch Rom rast und Stars belauscht. „Le immagini valgono più delle parole.“ („Bilder sind mehr wert als Worte.“)

Der Name kam von Fellinis Drehbuchautor Ennio Flaiano, der ihn aus dem Roman „By the Ionian Sea“ von George Gissing entlehnt hatte (dort heißt ein Hotelbesitzer Paparazzo). Schon kurz nach dem Filmstart wurde aus dem Eigennamen il paparazzo / i paparazzi ein Gattungsname für aufdringliche Promifotografen – weltweit. Dieses Kunstwort hat sich in fast alle Sprachen verbreitet.

Vokabeln:
la dolce vita – das süße Leben
il paparazzo / i paparazzi – Promifotograf(en)
il giornalista – der Journalist
la fontana – der Brunnen
la diva – die Diva
il regista – der Regisseur
il boom economico – das Wirtschaftswunder
il jet set – die Schickeria
la nostalgia – die Sehnsucht
la decadenza – die Dekadenz
la vacuità – die Leere
il successo – der Erfolg

Italien im boom economico

Der Film entstand in einer Schlüsselzeit Italiens: dem boom economico (Wirtschaftswunder, 1958–1963). In wenigen Jahren wurde Italien vom armen Agrarland zur fünftgrößten Industrienation der Welt. Der Fiat 500 (1957) und der Vespa-Roller wurden zu Symbolen. Die Olympischen Spiele in Rom 1960 zeigten ein neues, modernes Italien.

Doch hinter dem Glanz lauerte der moralische Verfall – das ist Fellinis Botschaft. „La dolce vita non è dolce.“ („Das süße Leben ist nicht süß.“) Der Film zeigt eine Gesellschaft, die im Konsum erstickt und ihre tieferen Werte verloren hat. Die Vatikanzeitung L'Osservatore Romano verurteilte den Film als „skandalös und obszön“.

Bedeutung und Erbe

Das Wort dolce vita ist heute weltweit Synonym für das italienische Lebensgefühl: gutes Essen, Wein, Müßiggang, Sonne, Stil. Doch im Film war es eine ironische Anklage. Heute ist la dolce vita auch ein Verkaufsargument für Mode, Tourismus und Kulinarik.

Paolo Sorrentino schuf 2013 mit La grande bellezza eine Hommage an Fellinis Film – 50 Jahre später, mit dem alternden Schriftsteller Jep Gambardella statt Marcello. Beide Filme zeigen Rom als ewige Stadt der Schönheit und des Verfalls.

Zusammenfassung:

La dolce vita (1960) von Federico Fellini, Goldene Palme Cannes
• Hauptdarsteller: Marcello Mastroianni als Marcello Rubini
• Berühmte Szene: Anita Ekberg im Trevi-Brunnen
• Wort „Paparazzi“ aus dem Filmcharakter Paparazzo entstanden
• Spielt im boom economico (1958–1963), Fiat 500, Olympia 1960
• Anklage gegen die Leere der Konsumgesellschaft
• Hommage 2013: Sorrentinos La grande bellezza

Abitur-Tipp: Im Themenbereich Cinema italiano oder Italia contemporanea ist La dolce vita ein perfektes Beispiel. Lerne unbedingt die Paparazzi-Anekdote (Filmcharakter Paparazzo → Welt­begriff) und das Datum 1960. Verbinde den Film mit dem Wirtschaftswunder und der Konsumkritik – das sind klassische Klausurfragen.