Die Eucharistie (griech. eucharistia = Danksagung) ist nach katholischer Lehre das wichtigste der sieben Sakramente. Lumen Gentium 11 nennt sie „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (lat. fons et culmen totius vitae christianae). In der Eucharistie wird Christus selbst gegenwärtig – in Brot und Wein.
Die Eucharistie geht auf das letzte Abendmahl Jesu zurück (Mk 14,22–25; 1 Kor 11,23–26). Paulus zitiert den Einsetzungsbericht in 1 Kor 11 (um 55 n. Chr.): „Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Das griechische toutó estin to sôma mou wird seit der frühen Kirche real verstanden.
Die katholische Kirche bekennt die Realpräsenz (lat. praesentia realis): Jesus Christus ist in den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein wahrhaft, wirklich und wesenhaft (lat. vere, realiter, substantialiter) gegenwärtig. Diese Formel stammt aus dem Konzil von Trient (Sessio XIII, 1551).
Schon Paulus (1 Kor 10,16) schreibt: „Ist der Kelch der Segnung, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?“ Der jüdisch-christliche Hintergrund: Im Pessach-Mahl wird das Befreiungshandeln Gottes nicht nur erinnert, sondern vergegenwärtigt. Daran knüpft die christliche Eucharistie an.
Wie ist die Realpräsenz zu denken? Thomas von Aquin (Summa Theologiae III, q. 75) entwickelte mit aristotelischen Begriffen die Lehre der Transsubstantiation: Bei der Wandlung verwandelt sich die Substanz (das eigentliche Wesen) von Brot und Wein in die Substanz von Leib und Blut Christi, während die Akzidenzien (Geschmack, Aussehen) erhalten bleiben.
Das 4. Laterankonzil (1215) hatte den Begriff transsubstantiatio bereits dogmatisch verwendet. Trient (1551) bestätigte ihn: „Die ganze Substanz des Brotes wird in die Substanz des Leibes [Christi], und die ganze Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes verwandelt; diese Verwandlung wird von der katholischen Kirche treffend Wesensverwandlung [Transsubstantiation] genannt.“
Die Reformation des 16. Jahrhunderts brachte mehrere konkurrierende Auffassungen:
Martin Luther (1483–1546): Konsubstantiation – Christus ist in, mit und unter den Gestalten von Brot und Wein gegenwärtig. Die Substanzen werden nicht verwandelt, koexistieren aber. Luther hielt an der Realpräsenz fest.
Huldrych Zwingli (1484–1531): symbolische Deutung – Brot und Wein sind blosse Erinnerungszeichen. Christus ist nicht real gegenwärtig.
Johannes Calvin (1509–1564): Vermittlungsposition – eine geistliche, dynamische Präsenz Christi durch den Heiligen Geist.
Im Marburger Religionsgespräch (1529) konnten sich Luther und Zwingli über die Eucharistie nicht einigen. Bis heute ist die Frage zwischen den Konfessionen umstritten und Grund für die Trennung am Abendmahlstisch.
Das II. Vatikanum (Sacrosanctum Concilium, 1963) hat die Liturgiereform angestossen: Die Messe darf in der Volkssprache gefeiert werden, die actuosa participatio (tätige Teilnahme) der Gläubigen wird betont. Die Realpräsenz blieb unangetastet.
Theologen wie Karl Rahner und Edward Schillebeeckx haben über Begriffe wie Transsignifikation und Transfinalisation nachgedacht: nicht die Substanz im aristotelischen Sinn, sondern die Bedeutung und Bestimmung wird verwandelt. Paul VI. hat in Mysterium Fidei (1965) diese Begriffe zugelassen, aber an der Transsubstantiation festgehalten.
Fehler 1: Luther mit Zwingli verwechseln. Luther: Konsubstantiation; Zwingli: symbolisch.
Fehler 2: Transsubstantiation als Magie missverstehen. Es geht um theologische Sprache, nicht um Chemie.
Fehler 3: 1 Kor 11 nicht zitieren. Es ist der älteste Einsetzungsbericht.
Zusammenfassung:
• LG 11: fons et culmen
• 1 Kor 11,23–26 (um 55 n. Chr.): älteste Einsetzung
• Realpräsenz: vere, realiter, substantialiter (Trient 1551)
• Transsubstantiation: Thomas, Lateran IV (1215), Trient (1551)
• Luther: Konsubstantiation; Zwingli: symbolisch; Calvin: pneumatisch
• Marburger Gespräch 1529; Mysterium Fidei 1965
Abitur-Tipp: Vier Positionen merken: katholisch (Transsubstantiation), Luther (Konsubstantiation), Zwingli (symbolisch), Calvin (pneumatisch). 1 Kor 11,24 als Schlüsselzitat. Marburger Gespräch 1529 als historisches Datum. fons et culmen aus LG 11 als zentraler Begriff.