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La francophonie en Afrique subsaharienne

Léopold Sédar Senghor – Négritude
Geografische und historische Einordnung

Subsahara-Afrika ist die Wachstumsregion der Francophonie. Schon heute sprechen rund 150 Millionen Menschen in dieser Region Französisch. Bis 2050 könnten es nach Schätzungen der OIF rund 600 Millionen sein – allein wegen des demografischen Wachstums. Damit verschiebt sich das Schwergewicht der französischsprachigen Welt klar nach Afrika.

Wichtige französischsprachige Länder: Sénégal, Côte d’Ivoire, Mali, Burkina Faso, Niger, Tchad, Cameroun, Gabon, Togo, Bénin, République démocratique du Congo (größtes französischsprachiges Land der Welt), République du Congo, Madagaskar.

Diese Konstellation geht auf die französische Kolonialzeit zurück: Frankreich kontrollierte zwischen ca. 1880 und 1960 weite Teile West- und Zentralafrikas. Die Unabhängigkeit der meisten dieser Länder fiel auf das „Afrika-Jahr“ 1960.

Senegal und Léopold Sédar Senghor

Senegal ist der symbolische Kern der franko-afrikanischen Beziehungen. Léopold Sédar Senghor (1906–2001) war Dichter, Theoretiker der négritude, erster Präsident des unabhängigen Senegal (1960–1980) und Mitglied der Académie française. Er sah in der französischen Sprache nicht ein Erbe der Unterdrückung, sondern ein Werkzeug der Befreiung und der internationalen Verständigung.

Senghors Vision der civilisation de l’universel: Alle Kulturen tragen zu einer gemeinsamen Menschheit bei. Die Francophonie sollte diese Begegnung organisieren, ohne dass eine Kultur die andere dominiert.

Schlüsselzitat: «Au-delà des barrières raciales et linguistiques, nous voulons construire la civilisation de l’universel.» (Senghor 1962) („Jenseits der rassischen und sprachlichen Barrieren wollen wir die Zivilisation des Universalen aufbauen.“)

Krise der françafrique seit 2020

In den letzten Jahren ist die französische Präsenz in Subsahara-Afrika in eine tiefe Krise geraten. Mehrere Länder haben nach Putschen ihre Beziehungen zu Frankreich aufgekündigt:

Mali (2020/2021): Nach zwei Putschen verbannte die Regierung die französischen Truppen (Opération Barkhane).

Burkina Faso (2022): Ähnlicher Bruch mit Frankreich, Hinwendung zu Russland.

Niger (2023): Putsch und Ende der französischen Militärpräsenz. Frankreich verlor damit den Zugang zu den Uranminen, die wichtig für die französische Atomindustrie sind.

Diese Entwicklungen zeigen, dass die françafrique – das informelle Netz französischer Einflussnahme – an ein Ende gekommen ist. Junge Afrikaner empfinden Frankreich oft als ehemaligen Kolonialherrn, der seine Sonderrolle nicht aufgeben will.

Literarische Stimmen

Die franko-afrikanische Literatur ist heute eine der lebendigsten Strömungen der Weltliteratur:

Mongo Beti (Kamerun, 1932–2001), Le pauvre Christ de Bomba.

Ahmadou Kourouma (Côte d’Ivoire, 1927–2003), Allah n’est pas obligé, Goncourt 2000.

Calixthe Beyala (Kamerun), C’est le soleil qui m’a brûlée.

Alain Mabanckou (Kongo), Verre cassé, Les petits-fils nègres de Vercingétorix.

Gaël Faye (Burundi-Frankreich), Petit pays – die Pflichtlektüre schließt direkt an diese Tradition an.

Mohamed Mbougar Sarr (Senegal), Goncourt 2021 für La plus secrète mémoire des hommes.

Diese Autoren bringen das Französische mit lokalen Sprachen, Bildern und Erzählweisen zusammen – eine Form der literarischen créolisation.

CFA-Franc und währungspolitische Dimension

Ein zentraler Streitpunkt der franko-afrikanischen Beziehungen ist der franc CFA – die Kolonialwährung, die in 14 Staaten Afrikas seit 1945 gilt. Sie ist an den Euro gebunden, und die Reserven dieser Staaten wurden lange bei der französischen Zentralbank verwahrt. Für Kritiker ist der CFA-Franc das ökonomische Symbol einer fortgesetzten Kolonialherrschaft (françafrique économique). 2019 kündigte Macron eine Reform an: Der westafrikanische CFA wird in eco umbenannt, die Reserven müssen nicht mehr in Frankreich liegen. Die Reform wird allerdings als kosmetisch kritisiert, weil die Bindung an den Euro bestehen bleibt. Dieses Beispiel zeigt, wie tief die wirtschaftliche und sprachliche Präsenz Frankreichs in Subsahara-Afrika miteinander verwoben sind und warum die Krise nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch ist.

Zusammenfassung:

• Subsahara-Afrika: Wachstumsregion der Francophonie
• Senghor (Senegal): négritude, civilisation de l’universel
• Krise der françafrique: Mali, Burkina Faso, Niger seit 2020
• Literarische Stimmen: Kourouma, Mabanckou, Faye, Sarr
• Demografische Verschiebung der Sprache nach Afrika

Abitur-Tipp: Verknüpfe Senghors universalistische Vision mit der aktuellen Krise der françafrique. Erwähne mindestens einen Goncourt-Preisträger (Sarr 2021 oder Kourouma 2000), um literarische Präsenz zu zeigen. Faye gehört in diese Tradition.