Als Anti-Hitler-Koalition wird das Zweckbündnis von Großbritannien, USA und UdSSR bezeichnet, das 1941 gegründet wurde (nach Kriegseintritt der USA am 8.12.1941), um das nationalsozialistische Deutschland zu bekämpfen. Sie diente zudem als Ausgangspunkt zur Gründung der Vereinten Nationen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges zerbrach die Koalition aufgrund unterschiedlicher Ziele und Systeme der Staaten.
Die Anti-Hitler-Koalition hatte gemeinsame Kriegsziele. Diese waren auf der einen Seite Deutschland und Japan militärisch niederzuwerfen und sie zu entmachten und ihre Volkswirtschaften zu schwächen und zu kontrollieren. Die drei Mächte kooperierten nur, da sie einen gemeinsamen Feind hatten, nämlich die faschistischen Staaten Deutschland und Italien, sowie das imperialistische Japan. Die Anti-Hitler-Koalition wurde auch als „unnatürliche“ Allianz bezeichne, da in ihr die Vormächte des Kapitalismus und des Kommunismus mit ihren grundsätzlich unterschiedlichen Ideologien zur Partnerschaft gezwungen wurden.
Die Anti-Hitler-Koalition war von Anfang an nur eine zeitlich begrenzte Zusammenarbeit. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde schnell klar, wie fragil das Bündnis wirklich war. USA und UdSSR hatten, wie wir schon festgestellt haben, unterschiedliche Ziele und Systeme. Die USA wollte eine Einheit Deutschlands, vor allem wegen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, während die Sowjetunion die Teilung anstrebte. Sie hatten also unterschiedliche Ansichten und Meinungen in der Frage der Nachkriegsordnung. Außerdem interpretierten sie die Ergebnisse des Potsdamer Abkommen unterschiedlich (siehe Potsdamer Abkommen).
Durch den Viermächtestatus (USA, UdSSR, Frankreich und Großbritannien) in Berlin kam es zu erheblichen Spannungen zwischen den Siegermächten. So war schnell klar, dass die Allianz der gegensätzlichen Ideologien nur solange Bestand hatte, wie es galt, einen gemeinsamen Feind zu besiegen.
Hinzu kam noch die Politik der Verschiebung, die von der Sowjetunion während des Krieges betrieben wurde: Die Klärung von wichtigen Einzelfragen wurde auf später verschoben, um die Anti-Hitler-Koalition nicht zu gefährden. Nach dem Wegfall des gemeinsamen Feindes kamen diese Fragen aber wieder auf. Der Zerfall der Anti-Hitler-Koalition markiert den Beginn des Weges in den Kalten Krieg.
Die USA und die Sowjetunion beanspruchten die Vorherrschaft im Westen bzw. Osten. Die Sowjetunion hatte während des Zweiten Weltkriegs ihr Territorium ausgeweitet und zum Beispiel Staaten aus dem Baltikum, Teile Polens und der Ukraine annektiert. Teile der Besatzungszonen wurden zu sogenannten Satellitenstaaten (= formal unabhängiger Staat, der dennoch von einem anderen Staat wirtschaftlich, ideologisch und militärisch abhängig ist). Im Westen ordneten sich die Staaten freiwillig der Vorherrschaft der USA unter, da sie Angst vor der Ausbreitung des Kommunismus hatten und sich von der Großmacht Schutz und (wirtschaftliche) Unterstützung erhofften.
Schematische Übersicht der beiden Blöcke nach 1955:
Im September 1947 erklärte der KPdSU-Sekretär Andrej Ždanow auf der Gründungsversammlung des Kominform: „Die Welt zerfällt heute in zwei feindliche Lager: das imperialistische und antidemokratische unter Führung der USA und das antiimperialistische und demokratische unter Führung der UdSSR.“ (Ždanow, 1947) Mit dieser Zwei-Lager-Theorie war die ideologische Trennung perfekt.
John Lewis Gaddis („The Cold War. A New History“, 2005) sieht die Blockbildung als Ergebnis ideologischer Unvereinbarkeiten und sicherheitspolitischer Eigenlogiken. Wilfried Loth („Die Teilung der Welt“) betont demgegenüber die schrittweise Eskalation: Beide Seiten reagierten aufeinander, ohne einen Krieg geplant zu haben. Heute herrscht in der Forschung die Ansicht, dass die Blockbildung 1947–49 nicht zwangsläufig war, aber durch Eigeninteressen, Fehlperzeptionen und ideologische Frontstellung beschleunigt wurde.
Zusammenfassung:
• Anti-Hitler-Koalition als Zweckbündnis 1941–45
• Zerfall durch unterschiedliche Systeme und Interessen
• 1947: Truman-Doktrin und Marshall-Plan
• 1949: NATO und RGW
• 1955: BRD in NATO, Warschauer Pakt
• Forschungsdebatte: Gaddis (ideologisch) vs. Loth (Eskalation)
Abitur-Tipp: Lerne die Schlüsseldaten 1947–1955 chronologisch. Bei einer Quellenanalyse zur Blockbildung verwende immer beide Perspektiven (Truman/Churchill vs. Stalin/Ždanow), um ein ausgewogenes Bild zu zeichnen. Verbinde NATO-Gründung und Warschauer Pakt direkt mit der Frage der deutschen Teilung.