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Reflexbogen

Definition

Ein Reflex ist eine schnelle, unwillkürliche und stereotype Reaktion auf einen Reiz. Der Reflexbogen beschreibt die anatomische Bahn, über die ein Reflex von der Reizaufnahme bis zur Antwort verläuft. Reflexe sind angeboren, schnell (15–100 ms) und unabhängig vom bewussten Willen.

Bestandteile des Reflexbogens

Fünf Stationen sind beteiligt:

1. Rezeptor: Sinneszelle, die den Reiz registriert (z. B. Muskelspindel).
2. Afferentes (sensorisches) Neuron: Leitet die Erregung ins Rückenmark.
3. Verschaltung im ZNS: Synapse direkt auf das Motoneuron oder über Interneurone.
4. Efferentes (motorisches) Neuron: Leitet den Befehl zum Effektor.
5. Effektor: Muskel oder Drüse, die die Antwort ausführt.

Monosynaptischer Reflex

Der monosynaptische Reflex besitzt nur eine einzige Synapse zwischen sensorischem und motorischem Neuron. Klassisches Beispiel ist der Patellarsehnenreflex (Kniesehnenreflex):

1. Schlag auf die Patellasehne dehnt den M. quadriceps femoris.
2. Muskelspindeln registrieren die Dehnung.
3. Sensorisches Neuron leitet die Erregung über die Hinterwurzel ins Rückenmark.
4. Direkte Synapse auf das α-Motoneuron im Vorderhorn.
5. Motorisches Neuron erregt den Quadriceps → Streckung des Beins.

Latenzzeit: ca. 30 ms. Solche Eigenreflexe dienen der Aufrechterhaltung der Muskelspannung.

Polysynaptischer Reflex

Bei polysynaptischen Reflexen sind ein oder mehrere Interneurone zwischen­geschaltet. Beispiel: der Schmerz- bzw. Wegziehreflex. Tritt ein Mensch in einen Nagel:

1. Nozizeptoren registrieren den Schmerz.
2. Sensorisches Neuron leitet zur Hinterwurzel.
3. Interneurone verschalten die Information auf mehrere Motoneurone des Beugemuskels.
4. Motoneurone aktivieren die Beuger, der Fuß wird zurückgezogen.

Gleichzeitig wird der Streckmuskel des gegenüberliegenden Beins aktiviert (gekreuzter Streckreflex), um das Gleichgewicht zu halten. Diese Fremdreflexe dienen meist dem Schutz.

Eigen- vs. Fremdreflex

Eigenreflex: Rezeptor und Effektor liegen im selben Organ (Muskel). Monosynaptisch. Beispiel: Patellarsehnenreflex.
Fremdreflex: Rezeptor und Effektor liegen in verschiedenen Organen. Polysynaptisch. Beispiel: Wegziehreflex, Pupillenreflex.

Klinische Bedeutung

Reflexprüfungen geben dem Arzt Hinweise auf die Funktion bestimmter Rückenmarks­segmente. Ein abgeschwächter Patellarsehnenreflex kann auf eine Läsion auf Höhe L2–L4 hinweisen, übermäßig starke Reflexe können für eine Pyramiden­bahnschädigung sprechen.

Häufige Fehler

Reflexe sind keine Konditionierung – sie sind angeboren. Auch sind sie nicht zwingend langsam: Ein monosynaptischer Reflex ist gerade deshalb so schnell, weil das Gehirn nicht beteiligt ist.

Zusammenfassung: Reflexbogen = Rezeptor → afferentes Neuron → ZNS-Verschaltung → efferentes Neuron → Effektor. Mono- vs. polysynaptisch entscheidet über die Komplexität.

Abitur-Tipp: Skizziere den Reflexbogen mit allen fünf Stationen und benenne jeden Pfeil als afferent oder efferent. Patellarsehnenreflex ist das Standardbeispiel.