Die ökologische Nische (G. E. Hutchinson, 1957) ist die Gesamtheit aller biotischen und abiotischen Umweltansprüche einer Art und ihrer Funktion im Ökosystem. Sie umfasst Faktoren wie Temperatur, Licht, Nahrung, Konkurrenten, Feinde und Reproduktionsansprüche. Eine Nische ist also kein Ort, sondern ein n-dimensionaler Hyperraum aus Ansprüchen.
• Fundamentalnische: alle theoretisch nutzbaren Bedingungen ohne Konkurrenz.
• Realnische: tatsächlich besetzter Bereich unter Konkurrenzdruck.
Klassisches Beispiel: Chthamalus stellatus (Seepocke) besiedelt im Labor den gesamten Gezeitenbereich, wird im Freiland aber von Balanus balanoides in den oberen Bereich verdrängt.
Nach dem Konkurrenzausschlussprinzip (Gause, 1934) können zwei Arten mit identischer ökologischer Nische nicht dauerhaft koexistieren. Die Folge ist Einnischung: Eine der Arten weicht in Nahrung, Aktivitätszeit oder Mikrohabitat aus. Beispiel: Rotkehlchen jagen am Boden, Meisen in den Bäumen.
Unter Konvergenz versteht man die unabhängige Ausbildung ähnlicher Merkmale bei nicht näher verwandten Arten, weil sie ähnliche Nischen besetzen. Treibender Mechanismus ist die natürliche Selektion unter vergleichbarem Selektionsdruck.
Beispiele:
• Europäischer Maulwurf (Insektivor) und australischer Beutelmull (Beuteltier): grabschaufelartige Vorderbeine, reduzierte Augen.
• Hai (Fisch), Delfin (Säugetier) und Ichthyosaurier (Reptil): stromlinienförmige Körper.
• Kakteen (Amerika) und Wolfsmilchgewächse (Afrika): sukkulente, dornige Stammpflanzen.
Divergenz ist der gegenläufige Prozess: Verwandte Arten entwickeln sich in unterschiedliche Nischen und werden äußerlich unähnlich (z. B. Darwinfinken Galapagos). Analogien entstehen durch Konvergenz, Homologien durch Abstammung.
Eine Nische ist kein räumlicher Ausschnitt eines Lebensraums. Außerdem ist die Realnische immer kleiner oder gleich der Fundamentalnische, niemals größer.
Zusammenfassung: Die ökologische Nische ist die Summe aller Ansprüche einer Art. Konvergenz führt zu ähnlichen Anpassungen in ähnlichen Nischen unabhängig von der Verwandtschaft.
Abitur-Tipp: Lerne ein Konvergenzbeispiel (Maulwurf/Beutelmull) und unterscheide Analogie (Konvergenz) klar von Homologie (Divergenz).