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Abläufe im Tubulussystem – Bildung des Sekundärharns

Vom Primär- zum Sekundärharn

Aus dem Glomerulus fließen täglich etwa 180 Liter Primärharn in das Tubulussystem. Während der Passage durch proximalen Tubulus, Henle-Schleife, distalen Tubulus und Sammelrohr werden 99% des Volumens und der gelösten Stoffe selektiv rückresorbiert. Es entsteht Sekundärharn mit einem Endvolumen von 1,5–2 l/Tag.

Proximaler Tubulus

Der proximale Tubulus (Pars convoluta) ist mit hochprismatischem Epithel und ausgeprägtem Bürstensaum ausgestattet, was die Resorptionsfläche enorm vergrößert. Hier werden bereits etwa 65% des filtrierten Wassers und Na+ sowie nahezu 100% der Glukose (über SGLT2 und SGLT1) und der Aminosäuren rückresorbiert. Treibende Kraft ist die basolaterale Na+/K+-ATPase. Bikarbonat wird via H+-Sekretion und Carboanhydrase resorbiert.

Henle-Schleife

Die Henle-Schleife ermöglicht durch ihren absteigenden und aufsteigenden Schenkel das Gegenstromprinzip. Der absteigende Schenkel ist wasserdurchlässig (Aquaporine), aber salzundurchlässig – das Tubulusvolumen schrumpft, die Osmolarität steigt auf bis zu 1200 mosm/l. Der aufsteigende Schenkel ist wasserundurchlässig, transportiert aktiv Na+, K+ und Cl− über den Na+-K+-2Cl−-Cotransporter (NKCC2) ins Mark und verdünnt damit den Tubulusinhalt.

Hier wirken Schleifendiuretika wie Furosemid.

Distaler Tubulus

Der distale Tubulus resorbiert weitere 5% des Na+ über den NaCl-Cotransporter (Angriffspunkt der Thiaziddiuretika). Hier wird auch Calcium Parathormon-abhängig rückresorbiert.

Sammelrohr

Im Sammelrohr erfolgt die finale Wasser- und Na+-Rückresorption unter Kontrolle von ADH (Aquaporin-2-Einbau) und Aldosteron (ENaC, Na+/K+-ATPase). Dadurch wird der Harn auf bis zu 1200 mosm/l konzentriert oder bei Wassergabe stark verdünnt (50 mosm/l).

Bilanz Sekundärharn

Endharn enthält etwa 20 g Harnstoff, 1–2 g Kreatinin, 6 g NaCl pro Tag, ist proteinfrei und (bei Gesunden) glukosefrei.

Abitur-Tipp: Merksatz für die Abschnitte: Proximal massiv (65%), Henle Gegenstrom, distal Feinregulation, Sammelrohr ADH/Aldosteron. Die jeweiligen Diuretika greifen exakt an diesen Stellen an.