Das Attentat von Sarajevo (28. Juni 1914) traf eine Welt, in der sich seit Jahren zwei Blöcke gegenüberstanden: die Mittelmächte (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, später Osmanisches Reich, Bulgarien) und die Triple-Entente (Frankreich, Großbritannien, Russland). Österreich-Ungarn und Serbien standen seit der bosnischen Annexionskrise 1908 in offenem Konflikt: Österreich wollte den panslawischen „Bazillus“ im Süden niederhalten, Serbien strebte nach einem „Großserbien“ und sah die annektierten Südslawen als seine künftigen Bürger.
Russland sah sich als Schutzmacht der orthodoxen Südslawen, Frankreich war seit 1894 mit Russland verbündet, Großbritannien seit 1907 in der Triple-Entente. Ein lokaler Krieg auf dem Balkan drohte sofort zum europäischen Großkonflikt zu werden.
Vereinfachte Übersicht der Bündniskonstellation am Vorabend des Ersten Weltkriegs:
Lesehinweis: D = Deutsches Reich, Ö-U = Österreich-Ungarn, OsmR = Osmanisches Reich, BG = Bulgarien, F = Frankreich, R = Russland, GB = Großbritannien, SRB = Serbien.
Als Julikrise wird die Zeit zwischen dem Attentat in Sarajevo und der allgemeinen Mobilmachung der Großmächte bezeichnet, in der die Eskalation Schritt um Schritt erfolgte. Wichtige Daten dieser Zeit (und des Monats danach):
| Zeit | Ereignis |
| 28. Juni | Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajewo |
| 5./6. Juli | Der deutsche „Blankoscheck“ für Österreich |
| 23. Juli | Österreichisches Ultimatum an Serbien: Die Forderungen bezogen sich vor allem auf die Aufklärung des Attentats und die Verfolgung der Hintermänner. Österreich stellte bewusst Forderungen, die von Serbien nicht erfüllt werden konnten. So konnte später behauptet werden, Serbien sei am Kriegsausbruch Schuld |
| 25. Juli | Serbische Antwort auf das Ultimatum: Serbien reagierte kurze Zeit vor Ablauf des Ultimatums und akzeptierte zur Überraschung Österreichs fast alle Bedingungen. Lediglich die Ermittlungen österreichischer Beamter auf serbischem Hoheitsgebiet wurden abgelehnt. Doch Österreich hatte kein Interesse an einer diplomatischen Lösung |
| 28. Juli | Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien |
| 31. Juli | Russische Generalmobilmachung |
| 31. Juli | Deutsche Ultimaten an Frankreich und Russland |
| 1. August | Deutsche Generalmobilmachung und Kriegserklärung an Russland |
| 2. August | Deutsches Ultimatum an Belgien und Besetzung Luxemburgs: Deutschland forderte vom neutralen Belgien, deutsche Truppen durch das Land wandern zu lassen. Belgien lehnte dies allerdings ab, sodass Deutschland zwei Tage später einmarschierte. |
| 3. August | Deutsche Kriegserklärung an Frankreich |
| 4. August | Deutscher Einmarsch in Belgien |
| 4. August | Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland |
| 6. August | Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Russland |
| 8. August | Kriegserklärung Großbritanniens an Österreich-Ungarn |
Keinen Schreck, diese Daten musst du nicht auswendig können. Es soll dir nur zeigen, wie schnell die Konflikte eskaliert sind und in gewisser Weise aufeinander aufbauen. Such dir zwei oder drei Daten raus, die du dir gut merken kannst, um deine Argumentation im Abitur zu untermauern. Hilfreich sind da sicherlich der 28. Juni mit Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand, sowie die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien am 28. Juli (genau ein Monat nach der Ermordung). Im Laufe des Monats spitzte sich die Lage zu und bis Anfang August waren alle Kriegserklärungen ausgesprochen.
Einen Begriff aus der Liste müssen wir noch erklären: Der deutsche Blankoscheck. In einem Telegramm sicherte Wilhelm II Österreich-Ungarn volle Unterstützung bei einem Angriff gegen Serbien zu. Damit gab Deutschland Österreich freie Hand im Vorgehen. Dieser Schritt wurde später unter Historikern stark diskutiert.
Ursachen des 1. Weltkrieges:
Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg notierte am 14. Juli 1914 sein Lagebild über Kurt Riezler: „Die Zukunft gehört Russland, das wächst und wächst und sich uns als immer schwererer Albdruck aufstaut. … Kanzler erwartet, dass ein Krieg, wie er auch ende, eine Umwälzung alles Bestehenden zur Folge haben werde.“ (Riezler-Tagebuch, 14. 7. 1914) Diese Stelle gilt vielen Historikern als Beleg für eine bewusste Risikopolitik der deutschen Führung.
Die Frage nach der Schuld am Ersten Weltkrieg hat die Geschichtswissenschaft über 100 Jahre beschäftigt:
Zusammenfassung:
• 28. 6.: Attentat von Sarajevo
• 5./6. 7.: Deutscher Blankoscheck
• 23. 7.: Österr. Ultimatum, 25. 7.: serb. Antwort
• 28. 7.: Kriegserklärung Ö-U/Serbien
• 1. 8.: D/Russland, 3. 8.: D/Frankreich, 4. 8.: GB/D
• Forschungsdebatte: Fischer vs. Clark
Abitur-Tipp: Beim Ersten Weltkrieg liegt der Fokus oft auf Ausbruch und Kriegsschulddiskussion – der Verlauf wird meist nicht abgefragt. Lerne die Eckdaten der Julikrise (28. 6. / 5. 7. / 23. 7. / 28. 7. / 1. 8. / 3. 8. / 4. 8.) und beschäftige dich mit der Fischer-Clark-Debatte. Mit diesen drei Daten und zwei Forschungspositionen kannst du fast jede Aufgabe abdecken.