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Ödeme

Definition

Ein Ödem ist eine sicht- und tastbare Schwellung durch Ansammlung von Flüssigkeit im Interstitium. Sie entsteht, wenn das Gleichgewicht zwischen Filtration im arteriellen und Rückresorption im venösen Kapillarschenkel gestört ist. Pro Tag werden netto etwa 2 l Flüssigkeit ins Interstitium filtriert und über die Lymphbahnen drainiert.

Starling-Gleichung

Der Flüssigkeitsaustausch wird durch hydrostatische und kolloidosmotische Drücke beschrieben. Im Kapillaranfang dominiert der hydrostatische Druck (ca. 32 mmHg) über den kolloidosmotischen Druck der Plasmaproteine (ca. 25 mmHg) – es kommt zur Filtration. Im Kapillarende kehrt sich das Verhältnis um, Rückresorption überwiegt.

Ursachen von Ödemen

Vier pathophysiologische Hauptursachen lassen sich unterscheiden: Erhöhter hydrostatischer Druck (z. B. Herzinsuffizienz, venöse Stauung), verminderter kolloidosmotischer Druck (Hypoproteinamie bei Leberzirrhose oder nephrotischem Syndrom), erhöhte Kapillarpermeabilität (Entzündung, Allergie) und gestörter Lymphabfluss (Lymphödem nach Operation oder bei Filariose).

Kardiales Ödem

Bei Linksherzinsuffizienz staut sich Blut vor dem linken Ventrikel in den Lungenvenen, der hydrostatische Druck steigt und es entsteht ein Lungenödem mit Dyspnoe und feuchten Rasselgeräuschen. Bei Rechtsherzinsuffizienz staut sich Blut vor dem rechten Ventrikel in den Körpervenen – Folge sind periphere Ödeme (Knöchel, Unterschenkel) und Stauungsleber.

Renale und hepatische Ödeme

Beim nephrotischen Syndrom verliert der Patient mehr als 3,5 g Protein/Tag über die Niere. Der Plasmaonkotische Druck fällt, Wasser tritt ins Interstitium über – es kommt zu generalisierten Ödemen. Ähnliches geschieht bei Leberzirrhose mit Hypalbuminämie und portaler Hypertonie (Aszites).

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Ursache: Diuretika (Schleifendiuretika, Thiazide, Aldosteronantagonisten), Eiweißsubstitution, Hochlagerung, Kompressionsstrümpfe und Behandlung der Grunderkrankung.

Abitur-Tipp: Vier Mechanismen merken: Hydrostatik hoch, Onkotik niedrig, Permeabilität hoch, Lymphabfluss gestört. Jedes Ödem lässt sich diesen Kategorien zuordnen.