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Nierensteine

Definition und Epidemiologie

Bei der Urolithiasis bilden sich feste Konkremente in den ableitenden Harnwegen. Etwa 5–10% der Bevölkerung erleiden im Laufe des Lebens einen Nierenstein, Männer häufiger als Frauen. Die Rezidivrate liegt unbehandelt bei 50% innerhalb von 5 Jahren.

Steinarten

Mit etwa 75% sind Calciumoxalatsteine am häufigsten, gefolgt von Calciumphosphatsteinen, Harnsäuresteinen (10%, bei Hyperurikämie und sauren Urin), Struvitsteinen (Magnesium-Ammonium-Phosphat, bei Harnwegsinfekt mit Urease-bildenden Bakterien) und seltenen Cystinsteinen bei Cystinurie. Die Steinart bestimmt die Therapie und Prophylaxe.

Pathogenese

Steine entstehen, wenn die Konzentration steinbildender Stoffe das Löslichkeitsprodukt überschreitet. Risikofaktoren sind geringe Trinkmenge, hohe Oxalatzufuhr, Hyperkalziämie, Hyperurikämie, rezidivierende Harnwegsinfekte und Hyperparathyreoidismus.

Klinik: Nierenkolik

Wandert ein Stein in den Ureter, kommt es zur typischen Nierenkolik: plötzliche, krämpfende Schmerzen in der Flanke mit Ausstrahlung in Leiste und Genitale, häufig mit Bewegungsdrang, Übelkeit und Hämaturie. Drei physiologische Engstellen des Ureters (Nierenbeckenübergang, Iliakalüberkreuzung, Blaseneintritt) sind häufige Lokalisationen. Komplikation: Harnstau mit Infektion (Pyonephrose, Urosepsis).

Diagnostik

Sonographie zeigt Steine und Harnstau. Goldstandard ist die Niedrigdosis-Nativ-CT, die nahezu alle Steine erfasst und Differenzialdiagnosen ausschließt. Im Urin finden sich Erythrozyten, im Labor ggf. erhöhte Entzündungswerte.

Therapie

Akut: Analgesie mit Metamizol oder Diclofenac, reichlich Trinken, ggf. α-Blocker zur Steinpassage. Steine <6 mm gehen meist spontan ab. Größere Steine werden mit extrakorporaler Stoßwellenlithotripsie (ESWL), Ureterorenoskopie oder perkutaner Nephrolitholapaxie entfernt. Prophylaxe: tägliche Trinkmenge >2,5 l, ausgewogene Ernährung, Behandlung der Grunderkrankung.

Abitur-Tipp: Wichtigster Stein: Calciumoxalat (75%). Wichtigste Prophylaxe: Trinken >2,5 l/Tag. Im Abitur kann die Engstelle des Ureters mit Lokalisation der Schmerzausstrahlung gefragt werden.