Der genetische Fingerabdruck (DNA-Profil) ist ein individuelles Muster von DNA-Banden, das bestimmte hochvariable Bereiche des menschlichen Genoms abbildet. Er wurde 1984 von Alec Jeffreys entwickelt und ist heute Standardmethode in Forensik, Vaterschaftstests und Identifizierung von Personen.
Genutzt werden Short Tandem Repeats (STR), kurze Wiederholungssequenzen (z. B. AGAT) im nichtcodierenden Bereich. Die Zahl der Wiederholungen variiert stark zwischen Individuen, ist aber innerhalb eines Menschen überall identisch. Aktuelle forensische Sets verwenden 13–24 STR-Loci. Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei nicht verwandte Personen exakt denselben Fingerabdruck zeigen, liegt unter 1 : 1015.
1. Probengewinnung: Speichel, Blut, Hautzellen, Haarwurzel.
2. DNA-Extraktion.
3. PCR: Vervielfältigung der ausgewählten STR-Loci mit fluoreszenzmarkierten Primern.
4. Kapillar-Gelelektrophorese: Trennung der Fragmente nach Größe – kürzere wandern schneller. Die Fluoreszenz wird detektiert und ergibt Peaks im Elektropherogramm.
5. Auswertung: Bestimmung der Allellgrößen pro Locus, Vergleich mit Referenzproben oder einer Datenbank.
Beim Vaterschaftstest zeigt das Kind pro STR-Locus zwei Allele – eines von der Mutter und eines vom biologischen Vater. Stimmen die kindlichen Allele mit denen des mutmaßlichen Vaters überein, ist die Vaterschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit bestätigt. Stimmt an mehreren Loci kein Allel überein, ist sie ausgeschlossen.
Am Tatort gefundene biologische Spuren werden analysiert und mit Referenzproben Verdächtiger oder einer DNA-Datenbank (in Deutschland beim BKA) verglichen. Auch alte Mordfälle („cold cases“) wurden so gelöst. Da die untersuchten Bereiche nichtcodierend sind, geben sie keine Auskunft über äußere Merkmale (außer bei zusätzlich erlaubten Y-Loci und ausgewiesenen phänotypischen Markern).
Die Anlage von DNA-Profilen ist in Deutschland gesetzlich streng geregelt (StPO § 81g). Nur bei bestimmten Straftaten und mit richterlicher Anordnung dürfen Profile in der Datenbank gespeichert werden. Die Profile selbst sind anonymisiert.
Der genetische Fingerabdruck untersucht keine codierenden Gene, sondern Wiederholungssequenzen. Eineiige Zwillinge haben nahezu identische Profile.
Zusammenfassung: Genetischer Fingerabdruck = Vergleich hochvariabler STR-Loci mittels PCR und Gelelektrophorese. Nahezu eindeutige Identifizierung, breit eingesetzt in Forensik und Abstammungsklarung.
Abitur-Tipp: Im Hessen-Abi werden häufig Bandenmuster zur Vaterschaftsanalyse vorgegeben – pro Locus zwei Allele, eines von der Mutter, eines vom Vater – das ist die Prüflogik.