Der arterielle Mitteldruck (MAP) liegt normalerweise bei 70–100 mmHg und muss konstant gehalten werden, um die Organperfusion zu sichern. Schwankungen entstehen ständig durch Lagewechsel, körperliche Aktivität oder Volumenverluste.
Die kurzfristige Regulation erfolgt im Sekundenbereich über neurogene Reflexe und ist unverzichtbar, um z. B. beim Aufstehen einen orthostatischen Kollaps zu verhindern.
Barorezeptoren (Pressorezeptoren) sind Dehnungsrezeptoren in der Wand des Sinus caroticus (an der Karotisgabel) und des Aortenbogens. Sie messen indirekt über die Wanddehnung den arteriellen Druck und feuern proportional zum MAP, besonders empfindlich im Bereich 60–180 mmHg.
Die Afferenzen verlaufen über den N. glossopharyngeus (IX) aus dem Karotissinus und den N. vagus (X) aus dem Aortenbogen zum Nucleus tractus solitarii in der Medulla oblongata.
Bei Druckanstieg steigt die Entladungsfrequenz der Barorezeptoren. Im Kreislaufzentrum werden daraufhin der Parasympathikus aktiviert und der Sympathikus gehemmt. Folge: Senkung der Herzfrequenz (negative Chronotropie), Verminderung der Kontraktilität (negative Inotropie) und Vasodilatation der Widerstandsgefäße – der Blutdruck fällt.
Bei Blutdruckabfall erfolgt die umgekehrte Reaktion: Sympathikusaktivierung mit Tachykardie, Vasokonstriktion und Steigerung des Schlagvolumens. Innerhalb weniger Sekunden wird so der Sollwert wiederhergestellt.
Ergänzend wirken Chemorezeptoren in den Glomera carotica und aortica, die auf Hypoxie, Hyperkapnie und Azidose reagieren. Volumenrezeptoren in den Vorhöfen (Henry-Gauer-Reflex) registrieren Volumenänderungen und beeinflussen ADH- und ANP-Ausschüttung.
Eine gestörte Barorezeptorenfunktion (z. B. bei Atherosklerose der Karotis oder im Alter) führt zu orthostatischer Hypotonie mit Schwindel beim Aufstehen. Bei Karotis-Sinus-Massage kann es reflektorisch zu Bradykardie und Synkope kommen (Karotis-Sinus-Syndrom).
Abitur-Tipp: Merke das Schema: Druck hoch → Barorezeptoren feuern mehr → Vagus aktiv, Sympathikus gehemmt → HF und Gefäßwiderstand sinken. Im Abitur oft als Reflexbogen mit Afferenz, Zentrum und Efferenz abgefragt.