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Mittelfristige Blutdruckregulation

Zeitfenster der Regulation

Während der Barorezeptorenreflex innerhalb von Sekunden wirkt, benötigt die mittelfristige Regulation über das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) Minuten bis Stunden. Sie greift bei länger anhaltendem Blutdruckabfall, etwa bei Volumenverlust oder reduzierter Nierenperfusion.

Renin-Freisetzung

Renin ist eine Protease, die in den juxtaglomerulären Zellen der Vas afferens der Nieren gebildet wird. Stimuli für die Ausschüttung sind: Abfall des renalen Perfusionsdrucks, sympathische Stimulation (β1-Rezeptoren) und niedriges NaCl an der Macula densa.

Die RAAS-Kaskade

Renin spaltet aus dem Leberprotein Angiotensinogen das Dekapeptid Angiotensin I. Dieses wird durch das Angiotensin-Converting Enzyme (ACE) in der Lunge zum hochwirksamen Oktapeptid Angiotensin II umgewandelt.

Angiotensin II wirkt vielfach blutdrucksteigernd: starke Vasokonstriktion der Arteriolen, Stimulation der Aldosteronsekretion in der Zona glomerulosa der Nebennierenrinde, Freisetzung von ADH, Durstgefühl über das Subfornikalorgan und direkte Förderung der Na+-Rückresorption im proximalen Tubulus.

Aldosteron

Aldosteron ist ein Mineralokortikoid, das im distalen Tubulus und Sammelrohr die Expression von ENaC (epithelialen Na+-Kanälen) und der Na+/K+-ATPase erhöht. Die Folge ist eine vermehrte Natrium- und Wasserrückresorption im Austausch gegen Kalium und Protonen.

Resultat: Erhöhung des Plasmavolumens und damit des arteriellen Blutdrucks über Stunden bis Tage.

Pharmakologische Hemmung

Das RAAS ist ein zentrales Therapieziel bei Hypertonie und Herzinsuffizienz. ACE-Hemmer (z. B. Ramipril) hemmen die Bildung von Angiotensin II, AT1-Antagonisten (Sartane wie Valsartan) blockieren den Rezeptor, Aldosteronantagonisten (Spironolacton, Eplerenon) wirken direkt am Tubulus.

Abitur-Tipp: Merke die Reihenfolge: Renin → Angiotensin I → ACE → Angiotensin II → Aldosteron. Wirkung: Vasokonstriktion plus Volumenzunahme → Druck steigt.