Die Thrombolyse ist die medikamentöse Auflösung eines bestehenden Thrombus durch Aktivierung der körpereigenen Fibrinolyse. Sie wird vor allem bei akuten arteriellen oder großen venösen Thromboembolien eingesetzt, wenn eine schnelle Rekanalisation lebensrettend ist.
Therapeutisch werden rekombinante Plasminogen-Aktivatoren verwendet, die endogenes Plasminogen in Plasmin umwandeln. Das aktivierte Plasmin spaltet das fibringebundene Gerinnsel und löst den Thrombus auf. Der wichtigste Wirkstoff ist Alteplase (rt-PA), ein gentechnisch hergestellter, fibrinaffiner Plasminogen-Aktivator. Alternativ kommen Tenecteplase oder Reteplase zum Einsatz.
Hauptindikationen sind: akuter ischämischer Schlaganfall innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn, akute Lungenembolie mit hämodynamischer Instabilität und der STEMI (ST-Hebungsinfarkt), wenn keine zeitnahe Koronarintervention verfügbar ist. Bei der Lungenembolie ist auch die katheterbasierte lokale Lyse möglich.
Wegen des hohen Blutungsrisikos sind die Kontraindikationen streng: stattgehabte intrakranielle Blutung, ischamischer Schlaganfall innerhalb der letzten 3 Monate, größere Operationen oder Traumata in den letzten 14 Tagen, gastrointestinale Blutung, schwere Hypertonie (>185/110 mmHg), Antikoagulation mit erhöhtem INR und bekannte Gerinnungsstörungen.
Wichtigste Komplikation ist die Blutung – insbesondere die intrakranielle Blutung, die bei 2–7% der Patienten nach Schlaganfall-Lyse auftritt. Daher müssen Patienten engmaschig überwacht werden. Nach erfolgreicher Lyse erfolgt die Sekundärprophylaxe mit Thrombozytenaggregationshemmern oder Antikoagulanzien.
Für den Erfolg ist das Zeitfenster entscheidend: Beim Schlaganfall gilt „time is brain“ – pro Stunde Verzögerung verschlechtert sich die Prognose deutlich. Beim Myokardinfarkt heißt es „time is muscle“.
Abitur-Tipp: Wichtigster Wirkstoff: Alteplase (rt-PA). Schlaganfall-Zeitfenster: 4,5 h. Hauptkomplikation: intrakranielle Blutung. Daher strenge Kontraindikationen prüfen.