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Primäre lymphatische Organe

Definition

Die primären (zentralen) lymphatischen Organe sind die Bildungs- und Reifungsstätten der Lymphozyten. Hier durchlaufen die Vorläuferzellen ihre antigenunabhängige Reifung und Selektion, bevor sie als naive Lymphozyten in die Peripherie entlassen werden. Beim Menschen sind dies das Knochenmark und der Thymus.

Knochenmark

Im roten Knochenmark der platten Knochen entstehen aus pluripotenten hämatopoetischen Stammzellen neben Erythrozyten und Granulozyten auch die lymphoiden Vorläuferzellen. B-Lymphozyten reifen vollständig im Knochenmark; das „B“ steht historisch für die Bursa Fabricii der Vögel, im Menschen ist das Knochenmark die funktionelle Entsprechung. Während der Reifung erfolgt das V(D)J-Rearrangement der Immunglobulingene und die Selektion gegen autoreaktive Klone.

Thymus

Der Thymus liegt im oberen Mediastinum hinter dem Sternum und hat beim Neugeborenen ein Gewicht von etwa 15 g. Er nimmt bis zur Pubertät auf 30–40 g zu und bildet sich danach kontinuierlich zurück (Thymusinvolution). Im Thymus reifen die T-Lymphozyten; das „T“ steht für Thymus.

Reifung der T-Zellen

Vorläuferzellen aus dem Knochenmark wandern in den Thymus ein. Dort durchlaufen sie die positive Selektion im Cortex (nur T-Zellen mit funktionsfähiger MHC-Erkennung überleben) und die negative Selektion in der Medulla (T-Zellen mit zu hoher Affinität zu Selbst-Antigenen werden eliminiert). Etwa 95% der Thymozyten sterben so per Apoptose. Die überlebenden 5% verlassen den Thymus als naive CD4+- oder CD8+-T-Zellen.

Bedeutung der zentralen Toleranz

Durch die negative Selektion entsteht zentrale Toleranz gegenüber dem Selbst. Eine Störung dieser Selektion (z. B. Mutation des AIRE-Gens) führt zu polyendokrinen Autoimmunsyndromen.

Abitur-Tipp: Merke: B-Zellen reifen im Knochenmark, T-Zellen im Thymus. Im Thymus erfolgt die Selektion für Selbst-Toleranz – nur etwa 5% der Thymozyten überleben.