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Exkurs: Schädigung des Mikrobioms des Darms durch Antibiotika

Das Darmmikrobiom

Im menschlichen Darm leben etwa 1014 Bakterien aus mehr als 1000 verschiedenen Arten – das ist mehr als die Anzahl körpereigener Zellen. Das gesamte Mikrobiom wiegt 1–2 kg und umfasst Bakterien, Archaeen, Viren und Pilze. Es erfüllt zentrale Aufgaben: Verdauung von Ballaststoffen, Produktion kurzkettiger Fettsäuren (Butyrat) und Vitamin K und B12, Schutz vor pathogenen Keimen (Kolonisationsresistenz) und Modulation des Immunsystems.

Antibiotika und Dysbiose

Antibiotika wirken nicht nur gegen pathogene, sondern auch gegen kommensale Bakterien. Eine Therapie mit Breitspektrum-Antibiotika kann die Diversität des Mikrobioms innerhalb weniger Tage drastisch reduzieren. Diese Verschiebung der Zusammensetzung wird als Dysbiose bezeichnet. Die Erholung kann Wochen bis Monate dauern, manche Veranderungen bleiben langfristig bestehen.

Folgen

Klinisch äußert sich die Dysbiose oft als antibiotikaassoziierte Diarrhö. Die schwerste Form ist die pseudomembranöse Kolitis durch Überwuchern von Clostridioides difficile. Dieses Bakterium produziert Toxine A und B, die zu blutiger Diarrhö, Fieber und im Extremfall zu toxischem Megakolon führen können.

Langzeitfolgen

Langfristig wird eine gestörte Mikrobiomzusammensetzung mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Reizdarmsyndrom, Allergien, Adipositas, Typ-2-Diabetes und sogar neurologischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Vor allem in den ersten Lebensjahren scheint eine Antibiotikaexposition prägend zu sein.

Therapie und Prophylaxe

Bei schwerer C.-difficile-Infektion wird mit Vancomycin oder Fidaxomicin behandelt. Bei rezidivierenden Verläufen ist die fakale Mikrobiomtransplantation (FMT) äußerst wirksam (Heilungsraten >90%). Wichtigste Prävention ist der rationale Antibiotikaeinsatz: nur bei klarer Indikation, möglichst schmal, kürzestmöglich.

Abitur-Tipp: Schlüsselerreger der antibiotikaassoziierten Kolitis: Clostridioides difficile. Therapie: Vancomycin, Fidaxomicin, ggf. Stuhltransplantation (>90% Erfolg). Prophylaxe: rationaler Antibiotikaeinsatz.