Schon vor über tausend Jahren wurde in China und Indien die Variolation gegen Pocken angewendet: getrocknetes Material aus Pockenpusteln wurde geringen Mengen Gesunden in die Haut geritzt oder in die Nase geblasen. Es entstand eine meist milde Erkrankung, die danach langfristig schützte. Die Methode war jedoch nicht ungefährlich, etwa 1–2% der Geimpften starben.
Der englische Landarzt Edward Jenner beobachtete, dass Melkerinnen, die sich mit den harmlosen Kuhpocken (Vaccinia) infiziert hatten, gegen die echten Menschenpocken immun waren. Am 14. Mai 1796 impfte er den achtjährigen James Phipps mit Material aus einer Kuhpockenpustel und stellte sechs Wochen später fest, dass das Kind gegen Variola immun war. Dies gilt als die Geburtsstunde der modernen Impfung; das Wort Vakzine leitet sich vom lateinischen vacca (Kuh) ab.
Der französische Mikrobiologe Louis Pasteur entwickelte im 19. Jahrhundert das Prinzip abgeschwächter Lebendimpfstoffe. 1879 entdeckte er zufällig, dass alterte Hahnencholerakulturen Hühner zwar nicht mehr krank machten, aber gegen spätere Infektion schützten. 1885 gelang ihm die erste erfolgreiche Tollwutimpfung beim Knaben Joseph Meister.
Dank weltweiter Impfkampagnen erklärte die WHO 1980 die Pocken als weltweit ausgerottet – die einzige Infektionskrankheit, die der Mensch jemals vollständig eliminiert hat. Die Poliomyelitis ist nahezu, aber nicht vollständig ausgerottet.
Heute existiert eine Vielzahl von Impfstofftypen: Lebendimpfstoffe (Masern, Mumps, Röteln, Gelbfieber), Totimpfstoffe (Polio, Influenza, Hepatitis A), Untereinheitenimpfstoffe (Hepatitis B, HPV), Toxoidimpfstoffe (Tetanus, Diphtherie) und seit 2020 die mRNA-Impfstoffe gegen COVID-19, die in Rekordzeit entwickelt wurden und einen Paradigmenwechsel in der Impfstoffentwicklung darstellen.
Abitur-Tipp: Schlüsselnamen: Jenner 1796 (Kuhpocken), Pasteur 1885 (Tollwut). Pocken sind die einzige weltweit ausgerottete Infektionskrankheit (1980). Modernster Ansatz: mRNA-Impfung.