Ein Nahrungsnetz ist die Gesamtheit aller Fraßbeziehungen in einer Lebensgemeinschaft. Es entsteht aus der Überlagerung vieler einzelner Nahrungsketten und stellt die komplexen Energie- und Stoffflüsse zwischen Produzenten, Konsumenten und Destruenten dar.
• Produzenten (1. Trophiestufe): autotrophe Organismen wie Pflanzen, Algen oder Cyanobakterien, die mit Photosynthese organische Substanz aufbauen.
• Primärkonsumenten (2. Stufe): Pflanzenfresser (Reh, Heuschrecke, Wasserfloh).
• Sekundärkonsumenten (3. Stufe): Fleischfresser, die Pflanzenfresser jagen (Spitzmaus, Forelle).
• Tertiärkonsumenten (4. Stufe): Spitzenprädatoren (Bussard, Hecht).
• Destruenten: Bakterien, Pilze und Bodentiere, die abgestorbenes Material mineralisieren und in den Stoffkreislauf zurückführen.
Eine Nahrungskette ist eine lineare Reihe (Gras → Heuschrecke → Spitzmaus → Bussard). Reale Ökosysteme sind jedoch deutlich komplexer: Die meisten Tiere haben mehrere Beutearten und mehrere Prädatoren. Dadurch entsteht ein verzweigtes Nahrungsnetz, das stabiler und resilienter gegenüber Störungen ist.
Pro Trophiestufe geht ein großer Teil der Energie als Wärme verloren. Eine grobe Faustregel: Nur etwa 10 % der Energie einer Stufe wird in die nächste überführt (10-Prozent-Regel). Daher gibt es selten mehr als vier bis fünf Trophiestufen, und Spitzenprädatoren sind individuenarm. Die Darstellung erfolgt als Energiepyramide, Biomassepyramide oder Individuenzahlpyramide.
Buche → Bucheckern → Maus → Wiesel → Füchse oder Mäusebussard. Parallel: Buchenblätter → Raupen → Meisen → Sperber. Pilze und Regenwürmer zersetzen herabfallendes Laub und schließen den Stoffkreislauf. Die Verzweigungen sorgen dafür, dass beim Ausfall einer Beuteart Prädatoren auf alternative Beute ausweichen können.
Die Stabilität eines Nahrungsnetzes hängt von seiner Diversität ab: Je mehr Arten und Verbindungen, desto geringer die Auswirkungen einzelner Ausfälle. Das Verschwinden eines Schlüsselart kann jedoch Kaskadeneffekte auslösen (z. B. Rückkehr des Wolfs in Yellowstone steigert Pflanzendeckung durch Reduktion von Wapitis).
Fettlösliche Schadstoffe (DDT, Quecksilber) reichern sich entlang des Nahrungsnetzes an, weil sie nicht abgebaut, aber mit Beute aufgenommen werden. Spitzenprädatoren tragen die höchste Konzentration und sind besonders gefährdet (siehe Wanderfalke, Eisbär).
Verwechsle Nahrungskette nicht mit Nahrungsnetz. Energie fließt einseitig (linear), Stoffe zirkulieren. Pfeile in einem Nahrungsnetz zeigen immer in Richtung der Energieübertragung – also vom Beutetier zum Prädator.
Zusammenfassung: Nahrungsnetz = Verknüpfung vieler Nahrungsketten mit Produzenten, Konsumenten und Destruenten. Energiefluss linear, Stoffkreislauf geschlossen, ca. 10 % Energieübertragung pro Trophiestufe.
Abitur-Tipp: Achte beim Zeichnen eines Nahrungsnetzes auf die korrekte Pfeilrichtung (Beute → Prädator) und benenne mindestens je einen Produzenten, Konsumenten und Destruenten.